Wer in der Schwangerschaft Thunfisch essen möchte, sollte ihn vorsorglich einschränken oder meiden. Der Grund ist Methylquecksilber, eine Form von Quecksilber, die sich in Fischen anreichert. Sie gelangt über die Plazenta zum ungeborenen Kind und kann die Entwicklung seines Nervensystems beeinträchtigen. Die Quecksilbermenge hängt unter anderem von der Thunfischart, seiner Größe und seinem Alter ab.
Deutsche Empfehlungen raten Schwangeren, Fischarten mit viel Quecksilber zu meiden und stattdessen Fische mit weniger Quecksilber zu wählen. Fisch kann generell auf dem Speiseplan bleiben.
Warum Thunfisch unterschiedlich belastet ist
Thunfisch ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene Arten. Große, ältere Raubfische können mehr Methylquecksilber enthalten, weil sich der Stoff über die Nahrungskette anreichert. Deshalb sagt der Name auf der Verpackung allein nicht genau voraus, wie hoch die Belastung einer Portion ist.
Messungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zeigen, dass die Quecksilberwerte in Thunfischproben stark schwanken. Die Werte stammen von verschiedenen Produkten. Sie sagen nicht genau, wie viel Quecksilber in einer bestimmten Dose, Marke oder Portion steckt. Auch eine allgemeine sichere Wochenmenge für alle Thunfischarten und Produkte lässt sich daraus nicht ableiten.
Das BfR empfiehlt Schwangeren und Stillenden, Fischarten mit hohen Methylquecksilbergehalten zu meiden. Ein älterer Verbrauchertipp des BfR rät ausdrücklich dazu, Thunfisch und Erzeugnisse daraus während Schwangerschaft und Stillzeit einzuschränken. Im Alltag heißt das: Thunfisch nicht regelmäßig essen und stattdessen Fischarten wählen, die weniger Quecksilber enthalten.
Thunfisch aus der Dose und gegarter Thunfisch
Thunfisch aus der Dose ist durch die Verarbeitung in der Regel nicht roh. Durch die Verarbeitung verschwindet das Quecksilber jedoch nicht: Selbst beim Kochen oder Braten und auch durch Erhitzen sinkt der Quecksilbergehalt im Fischgewebe nicht. Auch ein gut durchgebratenes Thunfischsteak senkt die Belastung deshalb nicht.
Roher Fisch ist aus einem anderen Grund problematisch. In der Schwangerschaft sollte Fisch gut durchgegart sein, weil roher Fisch Krankheitserreger enthalten kann. Garen senkt dieses Infektionsrisiko, entfernt aber kein Methylquecksilber. Die Hinweise gelten unabhängig voneinander: Thunfisch wegen möglicher Quecksilberbelastung einschränken und rohen Fisch wegen möglicher Infektionen meiden.
Fisch bleibt eine sinnvolle Nährstoffquelle
Fisch kann Teil der Ernährung bleiben. Fisch liefert Eiweiß, Jod, Vitamin D und langkettige Omega-3-Fettsäuren. Das BfR nennt Lachs, Hering und Makrele als fettreiche Alternativen. Diese Fische sollten gut durchgegart sein; zugleich sollte die Auswahl abwechslungsreich bleiben.
Wer keinen fettreichen Fisch isst, sollte mit der betreuenden Ärztin oder dem betreuenden Arzt besprechen, wie die Versorgung mit der Omega-3-Fettsäure DHA sichergestellt werden kann. Das BfR empfiehlt, eine mögliche Ergänzung individuell abzuklären, statt eigenständig eine Dosierung festzulegen.
Wenn bereits Thunfisch gegessen wurde
Regelmäßiger, hoher Verzehr beschreibt eine andere Quecksilberbelastung als eine einzelne Mahlzeit. Die gesundheitlichen Richtwerte und Berechnungen des BfR beziehen sich auf die Quecksilberaufnahme über längere Zeit. Sie erlauben keine genaue Aussage darüber, welche Wirkung eine einzelne Portion bei einer bestimmten Person hat.
Wer häufig oder in großen Mengen Thunfisch gegessen hat und sich Sorgen macht, sollte das bei der nächsten Gelegenheit mit der betreuenden Frauenärztin, dem Frauenarzt oder der Hebamme besprechen. Unter anderem ist für eine individuelle Einschätzung wichtig, um welche Art Thunfisch es ging und wie viel davon gegessen wurde. Auch die Häufigkeit des Verzehrs zählt.




