In der Schwangerschaft sind häufig Streptokokken der Gruppe B (GBS) gemeint. Diese Bakterien leben bei vielen Menschen im Darm oder im Genitalbereich, ohne Beschwerden auszulösen. Ein positiver Abstrich bedeutet deshalb meist, dass die Schwangere die Bakterien trägt. Er zeigt nicht automatisch eine Erkrankung an.
Während der Geburt können GBS auf das Neugeborene übergehen. Eine schwere Infektion ist selten, aber möglich. Ein Abstrich gegen Ende der Schwangerschaft und Antibiotika während der Geburt sollen das Risiko einer frühen Infektion beim Baby senken. In Deutschland ist der allgemeine GBS-Abstrich nicht Teil der regulären Mutterschaftsvorsorge. Ob eine Untersuchung sinnvoll ist und wer die Kosten trägt, sollten Schwangere mit ihrer Frauenärztin, ihrem Frauenarzt oder ihrer Hebamme besprechen.
Was ein positiver GBS-Befund bedeutet
Ein positiver Befund bedeutet, dass GBS im Körper vorhanden sind. Er zeigt für sich allein keine Erkrankung an. GBS können im Körper zeitweise vorhanden sein und später wieder verschwinden. Ein Test aus einem frühen Schwangerschaftsmonat sagt daher wenig darüber aus, ob die Bakterien bei der Geburt noch nachweisbar sind.
Deutsche Gesundheitsinformationen nennen GBS bei ungefähr 16 Prozent der Schwangeren. Nur ein Teil der Babys, die während der Geburt mit den Bakterien in Kontakt kommen, erkrankt. Frühgeborene haben ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf. Eine frühe GBS-Erkrankung zeigt sich während der Geburt oder in den ersten Lebenstagen. Eine spätere Erkrankung kann nach der ersten Lebenswoche auftreten.
Antibiotika während der Geburt zielen auf die frühe Form. Sie verhindern nicht zuverlässig spätere GBS-Erkrankungen und schützen auch nicht vor anderen Ursachen einer Erkrankung beim Neugeborenen.
Wann der Abstrich angeboten wird
Wenn Schwangere in Deutschland einen GBS-Test machen lassen, erfolgt er meist gegen Ende der Schwangerschaft. Dabei wird ein Abstrich aus der Scheide und dem Enddarm im Labor untersucht. Das späte Testfenster soll zeigen, ob GBS nahe am Geburtstermin vorhanden sind.
Die Mutterschafts-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses sieht keinen allgemeinen GBS-Abstrich für alle Schwangeren als reguläre Vorsorgeleistung vor. Die Kostenübernahme hängt von der Situation und dem Kostenträger ab. Vor dem Test lohnt es sich deshalb, in der Praxis und bei der Krankenkasse nachzufragen.
Eine deutsche Fachleitlinie zur Vorbeugung früher GBS-Erkrankungen bei Neugeborenen stammt aus dem Jahr 2016. Ihre Gültigkeit endete 2021; sie wird überarbeitet. Diese unterschiedlichen Vorgaben sind ein Grund dafür, dass Praxen beim Test und bei den Kosten nicht immer gleich vorgehen. Fragen Sie konkret, wann der Abstrich erfolgen soll, was ein positiver Befund für die Geburt bedeutet und ob Kosten anfallen.
Was bei einem positiven Befund während der Geburt passiert
Bei einem positiven GBS-Test erhalten Schwangere in Ländern mit einem allgemeinen Testprogramm üblicherweise während der Geburt Antibiotika über eine Vene. Die Behandlung soll die Übertragung auf das Baby und damit das Risiko einer frühen Infektion verringern. Bei einer Besiedlung ohne Beschwerden geben Ärztinnen und Ärzte üblicherweise nicht lange vor der Geburt vorsorglich Antibiotika.
Für Deutschland gibt es derzeit keine abgeschlossene, gültige Fachleitlinie, die eine einheitliche Vorgehensweise für alle Situationen festlegt. Deshalb sollten Ärztin oder Arzt und Geburtsklinik den Befund zusammen mit dem Geburtsverlauf beurteilen. Fieber während der Geburt, vorzeitige Wehen oder ein Blasensprung sind wichtige Angaben für die Geburtsklinik. Wer schon einmal eine schwere allergische Reaktion auf ein Antibiotikum hatte, sollte das frühzeitig mitteilen, damit die Behandlung darauf abgestimmt werden kann.
Ein geplanter Kaiserschnitt vor Beginn der Wehen bei intakter Fruchtblase wird in US-amerikanischen Empfehlungen anders behandelt als eine Geburt nach Wehenbeginn oder Blasensprung. Diese Regel lässt sich nicht ungeprüft auf die Versorgung in Deutschland übertragen. Die Geburtsklinik sollte erklären, welche Antibiotika in der jeweiligen Situation vorgesehen sind.
Was über Nutzen und Nachteile bekannt ist
Mit einem GBS-Abstrich können Ärztinnen und Ärzte vor der Geburt feststellen, ob eine Schwangere die Bakterien trägt. Beim anderen Vorgehen zählen stärker Ereignisse während der Geburt, etwa Fieber oder vorzeitige Wehen. Dabei erhalten weniger Schwangere Antibiotika, aber nicht alle GBS-Trägerinnen werden vor der Geburt erkannt.
Die Studienlage klärt nicht abschließend, welches Vorgehen insgesamt besser ist. Eine Cochrane-Auswertung von 2014 fand in wenigen, älteren Studien weniger frühe GBS-Infektionen nach Antibiotika während der Geburt. Die Studien waren klein und anfällig für Verzerrungen; eine klare Aussage zu Sterblichkeit und möglichen Schäden war damit nicht möglich. Auch eine Bewertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen aus dem Jahr 2018 konnte die Gesamtstrategien nicht zuverlässig miteinander vergleichen. Das ist eine offene Frage der Evidenz, kein Beleg dafür, dass Antibiotika wirkungslos sind.
Antibiotika können Nebenwirkungen und allergische Reaktionen auslösen. Die Entscheidung sollte daher den Befund, den Geburtsverlauf und die persönliche Krankengeschichte berücksichtigen. Ein positiver Test bedeutet weder, dass das Baby sicher erkrankt, noch dass jede Geburt automatisch gleich behandelt wird.
Wann medizinische Hilfe wichtig ist
Bei Fieber oder vorzeitigen Wehen sollten Schwangere die betreuende Praxis oder direkt die Geburtsklinik kontaktieren. Das gilt auch bei einem Blasensprung. Bei einem bekannten positiven GBS-Befund gehört diese Information in jedem Fall zur Aufnahme in die Klinik.
Nach der Geburt braucht ein Neugeborenes rasch ärztliche Hilfe, wenn es schwer atmet, ungewöhnlich teilnahmslos wirkt, schlecht trinkt oder Fieber beziehungsweise eine auffällig niedrige Körpertemperatur hat. Bei Atemnot oder einer schnellen Verschlechterung ist der Rettungsdienst die richtige Anlaufstelle.




