Wer wissen möchte, ob eine Schwangerschaft besteht, kann einen Bluttest auf das Hormon hCG machen lassen. Das Kürzel steht für humanes Choriongonadotropin. Der Körper bildet dieses Hormon während einer Schwangerschaft. Ein Labor kann seine Konzentration im Blut messen und eine Schwangerschaft damit früher erkennen als ein Urintest.
Bei einer unkomplizierten Schwangerschaft braucht es zur Bestätigung nicht unbedingt einen Bluttest. Außerdem sagt ein einzelner hCG-Wert weder, ob sich die Schwangerschaft normal entwickelt, noch, ob sie in der Gebärmutter liegt. Andere Bluttests in der Schwangerschaft, etwa zur Bestimmung der Blutgruppe oder zur Früherkennung bestimmter Risiken, haben andere Zwecke.
Wann ein Bluttest auf hCG sinnvoll ist
Ärztinnen und Ärzte setzen einen hCG-Bluttest vor allem ein, wenn sie eine Schwangerschaft sehr früh abklären müssen oder Beschwerden und Untersuchungsergebnisse unklar sind. Ärztinnen und Ärzte können dabei die hCG-Konzentration bestimmen. Ein Urintest zeigt dagegen in der Regel nur an, ob das Hormon nachweisbar ist.
Im Blut lässt sich hCG ungefähr ab der ersten Woche nach dem Eisprung nachweisen. Der genaue Zeitpunkt hängt unter anderem davon ab, wann der Eisprung und die Einnistung stattgefunden haben und welches Testverfahren das Labor verwendet. Ein sehr früher negativer Befund schließt eine Schwangerschaft deshalb nicht sicher aus.
Die staatliche Familienplanungsinformation empfiehlt, einen Urintest zu Hause ab dem erwarteten Beginn der Monatsblutung zu machen. Fällt ein früher Test negativ aus, die Blutung bleibt aber aus, ist ein erneuter Test um diesen Zeitpunkt sinnvoll. Bleibt die Monatsblutung auch nach einem späteren negativen Test aus, sollte eine gynäkologische Praxis mögliche andere Ursachen abklären.
Wenn keine Beschwerden vorliegen, reicht häufig ein Urintest. Ob die gesetzliche Krankenkasse einen Bluttest übernimmt, hängt vom medizinischen Anlass ab. Nach den Informationen von familienplanung.de wird er bezahlt, wenn ein Verdacht auf eine Störung der Schwangerschaft besteht. Eine allgemeingültige Pflicht zur Blutbestätigung jeder Schwangerschaft gibt es nicht.
Was ein hCG-Wert aussagt
Ein positiver hCG-Wert spricht in der Regel für eine Schwangerschaft. Er zeigt jedoch nicht, ob sich die Schwangerschaft normal entwickelt oder in der Gebärmutter befindet. Auch einen einzelnen Messwert kann man nur zusammen mit dem Zeitpunkt der Schwangerschaft, möglichen Beschwerden und gegebenenfalls einer Ultraschalluntersuchung einordnen.
Wenn bei einer frühen Schwangerschaft noch unklar ist, wie sie sich entwickelt, kann die Praxis den Blutwert erneut messen. Der Vergleich der Werte hilft bei der Einschätzung, ersetzt aber weder die Untersuchung noch den Ultraschall. Der hCG-Wert muss sich nicht nach einem festen Schema entwickeln.
Die deutsche S2k-Leitlinie zum frühen Schwangerschaftsverlust nennt für Serum- und Plasmatests Werte über 5 IU/L als Hinweis auf eine Schwangerschaft. Die Referenzbereiche unterscheiden sich jedoch je nach Labortest. Bei wiederholten Messungen sollten deshalb möglichst dasselbe Labor und dasselbe Testverfahren verwendet werden.
Starke oder einseitige Unterbauchschmerzen sowie Blutungen müssen schnell ärztlich abgeklärt werden. Das gilt auch bei Schwindel oder Ohnmacht. Solche Beschwerden können verschiedene Ursachen haben. Eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter lässt sich weder durch einen hCG-Wert allein bestätigen noch sicher ausschließen. Bei sehr starken Beschwerden oder Kreislaufproblemen sollte man den Notruf wählen.
Andere Bluttests während der Schwangerschaft
Bei Vorsorgeuntersuchungen werden auch Bluttests gemacht, die nicht klären, ob eine Schwangerschaft besteht. Sie prüfen zum Beispiel die Blutgruppe und den Rhesusfaktor oder suchen nach bestimmten Infektionen. In der Schwangerschaft gehört außerdem ein Test auf Schwangerschaftsdiabetes zur Vorsorge.
Der nicht-invasive Pränataltest, kurz NIPT, ist ein weiterer Bluttest. Er untersucht DNA-Bruchstücke aus der Plazenta, die im Blut der schwangeren Person zirkulieren. Der Test kann die Wahrscheinlichkeit für Trisomie 13, 18 und 21 einschätzen. Er sagt nichts darüber aus, ob die Schwangerschaft in der Gebärmutter liegt oder ob das ungeborene Kind insgesamt gesund ist.
Ein auffälliges NIPT-Ergebnis ist keine Diagnose. Es muss durch weitere Untersuchungen abgeklärt werden. Dazu zählen je nach Situation eine Fruchtwasseruntersuchung oder eine Chorionzottenbiopsie. Auch das Ergebnis kann unklar sein und muss gesondert eingeordnet werden.
In Deutschland übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung seit dem 1. Juli 2022 unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten für den NIPT auf die drei genannten Trisomien. Er ist freiwillig und für begründete individuelle Situationen vorgesehen, nicht als Routineuntersuchung für jede Schwangerschaft. Vor der Entscheidung sind Aufklärung und Beratung vorgesehen. Die Regelung zur Kostenübernahme gilt für die gesetzliche Krankenversicherung; für private Versicherungen können andere Bedingungen gelten.
Das Ersttrimester-Screening ist ein anderes Verfahren. Das Ersttrimester-Screening kombiniert Blutwerte mit einer Ultraschalluntersuchung und berechnet daraus eine Wahrscheinlichkeit für bestimmte Chromosomenabweichungen. Wie der NIPT liefert es keine sichere Diagnose.




