Bauchschmerzen kommen in der Schwangerschaft häufig vor. Leichte Schmerzen entstehen oft durch Blähungen oder Verstopfung. Auch die Bänder dehnen sich, wenn die Gebärmutter wächst, und können Schmerzen verursachen. An den Bauchschmerzen allein lässt sich jedoch nicht sicher erkennen, ob die Ursache harmlos ist. Wichtig ist, wie stark die Schmerzen sind und wie sie sich entwickeln. Ebenso zählt, in welcher Schwangerschaftswoche Sie sind und ob weitere Beschwerden auftreten.
Lassen die Beschwerden nach Ruhe oder einem Positionswechsel nach und treten keine weiteren Auffälligkeiten auf, ist das eher beruhigend. Bei Blutungen, starken oder anhaltenden Schmerzen, Fieber oder Kreislaufproblemen sollten Sie medizinischen Rat einholen.
Häufige Ursachen: Verdauung und gedehnte Bänder
In der Schwangerschaft arbeitet der Darm häufig langsamer. Das Schwangerschaftshormon Progesteron entspannt die Muskulatur im Verdauungstrakt. Dadurch können Verstopfung und Blähungen entstehen, die sich als Ziehen, Druck oder krampfartige Schmerzen bemerkbar machen. Später drückt die wachsende Gebärmutter zusätzlich auf Darm und Magen.
Auch die Bänder, die die Gebärmutter stützen, dehnen sich. Das kann vor allem im Unterbauch ziehende oder stechende Schmerzen auslösen, manchmal auf einer Seite. Leichte Beschwerden, die sich durch Ruhe oder einen Positionswechsel bessern, passen eher zu einer solchen Dehnung. Das schließt eine andere Ursache aber nicht aus.
Ein Druckgefühl unter den Rippen kann in der späteren Schwangerschaft durch die wachsende Gebärmutter entstehen. Starke oder anhaltende Schmerzen im Oberbauch, besonders rechts, müssen dagegen rasch abgeklärt werden. Das gilt besonders, wenn starke Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Schwellungen hinzukommen. Diese Beschwerden können auf eine Präeklampsie hinweisen, eine Schwangerschaftskomplikation, die meist nach der 20. Schwangerschaftswoche oder kurz nach der Geburt auftritt.
Warnzeichen, die ärztlich abgeklärt werden müssen
Blutungen sollten in der Schwangerschaft immer ärztlich abgeklärt werden, auch wenn es nur Schmierblutungen sind. Krämpfe zusammen mit Blutungen können auf eine Fehlgeburt hinweisen. Sie bedeuten aber nicht sicher, dass eine Fehlgeburt vorliegt. In der frühen Schwangerschaft können einseitige Unterbauchschmerzen und unregelmäßige Blutungen auch bei einer Eileiterschwangerschaft auftreten. Plötzlich starke Schmerzen, Schulterspitzenschmerz, Schwindel oder Ohnmacht sind dabei Notfallzeichen.
Starke, plötzlich einsetzende Schmerzen und ein harter Bauch können außerdem darauf hindeuten, dass sich die Plazenta vorzeitig von der Gebärmutter löst. Wie schwer die Situation ist, lässt sich nicht allein daran erkennen, ob eine Blutung sichtbar ist. Regelmäßige Krämpfe oder wiederkehrende Verhärtungen vor der 37. Schwangerschaftswoche sollten ebenfalls sofort mit der geburtshilflichen Anlaufstelle besprochen werden.
Holen Sie rasch medizinischen Rat ein bei:
- Blutungen oder ungewöhnlichem Flüssigkeitsabgang
- Schmerzen, die stark sind, anhalten oder plötzlich einsetzen
- regelmäßig wiederkehrenden Krämpfen oder einem verhärteten Bauch
- Fieber oder Schüttelfrost
- Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen
- starken Oberbauchschmerzen, besonders mit Kopfschmerzen oder Sehstörungen
- Schwindel, Schwäche oder Ohnmacht
- deutlich weniger Kindsbewegungen, sobald Sie diese regelmäßig wahrnehmen
Eine Harnwegsinfektion kann Bauchschmerzen verursachen. Häufig kommen Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang oder veränderter Urin hinzu. In der Schwangerschaft treten Harnwegsinfektionen allerdings auch ohne Schmerzen beim Wasserlassen auf.
Welche Hilfe in Deutschland passt
Rufen Sie bei plötzlich starken oder lebensbedrohlich wirkenden Beschwerden den Rettungsdienst unter 112. Außerhalb der regulären Sprechzeiten erreichen Sie bei dringenden, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117. Bei möglichen Schwangerschaftskomplikationen können Sie sich auch an die Geburtsabteilung Ihrer Klinik wenden. Wenn Sie unsicher sind, können Sie Ihre Frauenärztin oder Ihren Frauenarzt oder Ihre Hebamme kontaktieren.
Sind die Schmerzen mild und lassen nach Ruhe oder einem Positionswechsel nach, spricht das eher für eine harmlose Ursache. Halten sie an, fühlen sie sich ungewöhnlich an oder belasten sie Sie, lassen Sie sich trotzdem beraten. Anhand der Schmerzstelle oder eines Selbsttests allein lässt sich die Ursache nicht sicher bestimmen.
Nehmen Sie Medikamente oder pflanzliche Mittel gegen die Beschwerden nicht ohne ärztliche Rücksprache ein. Das gilt auch für Präparate, die außerhalb der Schwangerschaft als unbedenklich gelten.




