Wer während der Schwangerschaft ein Antibiotikum verschrieben bekommt, fragt sich oft, ob das Mittel dem ungeborenen Kind schaden könnte. Antibiotika behandeln bakterielle Infektionen. Die Risiken und Vorteile der Behandlung hängen vom eingesetzten Antibiotikum ab. Auch die Schwangerschaftswoche und die behandelte Infektion spielen eine Rolle. Auch eine unbehandelte bakterielle Infektion kann Mutter und Schwangerschaft gefährden.

Penicilline und Cephalosporine gehören zu den besonders gut untersuchten Antibiotikagruppen. Andere Wirkstoffe kommen je nach Infektion infrage. Für manche gelten zu bestimmten Zeitpunkten der Schwangerschaft Einschränkungen, und sie sind nicht alle gleich gut untersucht. Deshalb sollte die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt das konkrete Mittel auswählen. Ein verordnetes Antibiotikum sollten Schwangere weder eigenständig absetzen noch durch ein anderes ersetzen.

Warum der Wirkstoff und der Zeitpunkt zählen

Die Schwangerschaft wird in drei Abschnitte, sogenannte Trimenone, eingeteilt. Im ersten Trimenon entwickeln sich die Organe des Kindes. Bei einzelnen Wirkstoffen steht deshalb besonders die Frage nach möglichen Fehlbildungen im Vordergrund. Später können andere Risiken eine Rolle spielen, etwa mögliche Auswirkungen auf Zähne oder Blutwerte des Neugeborenen.

Wie gut die Wirkstoffe untersucht sind, unterscheidet sich je nach Gruppe:

Wirkstoffgruppe Was die Daten für die Behandlung bedeuten
Penicilline und Cephalosporine Sie sind für viele Infektionen gut untersucht und kommen häufig als Mittel der ersten Wahl infrage.
Makrolide, etwa Erythromycin oder Azithromycin Sie können eine Alternative sein, etwa bei einer Penicillinallergie. Die Studienlage ist nicht ganz einheitlich; die Auswahl hängt von Infektion und Wirkstoff ab.
Nitrofurantoin Es wird bei bestimmten Infektionen der unteren Harnwege eingesetzt. Embryotox bewertet die Erfahrungen im ersten Trimenon insgesamt beruhigend, empfiehlt aber, den Wirkstoff am Schwangerschaftsende möglichst zu vermeiden.
Trimethoprim und Co-trimoxazol Trimethoprim beeinflusst den Folsäurestoffwechsel. Für das erste Trimenon sind die Daten widersprüchlich; wenn eine geeignete Alternative besteht, soll der Wirkstoff möglichst vermieden werden.
Tetrazykline, etwa Doxycyclin Nach dem ersten Trimenon sollen sie wegen möglicher Auswirkungen auf Zähne und Knochen nicht eingesetzt werden.

Die Tabelle gibt eine Orientierung, sagt aber nicht pauschal, welche Mittel sicher oder unsicher sind. Auch innerhalb einer Wirkstoffgruppe unterscheiden sich die Daten. Embryotox bewertet Penicilline und Cephalosporine als besonders gut untersucht. „Gut untersucht“ bedeutet jedoch nicht, dass jedes denkbare Risiko ausgeschlossen ist.

Studien zu Antibiotika in der Schwangerschaft untersuchen meist, welche Mittel Schwangere eingenommen haben und wie die Schwangerschaften ausgegangen sind. Sie können einen Zusammenhang zeigen, beweisen aber nicht automatisch, dass das Medikament die Ursache war. Die Infektion selbst und andere Unterschiede zwischen den behandelten Frauen können die Ergebnisse beeinflussen.

Bei Harnwegsinfekten zählt auch das Risiko der Infektion

Eine Blasenentzündung kann sich während der Schwangerschaft zu einer Nierenbeckenentzündung entwickeln. Eine solche Infektion kann die Schwangere schwer belasten und eine Behandlung im Krankenhaus nötig machen. Deshalb gehört bei Beschwerden eine zeitnahe ärztliche Abklärung dazu.

Brennen beim Wasserlassen oder häufiger Harndrang können zu einem Harnwegsinfekt passen. Auch Schmerzen im Unterbauch passen dazu. Fieber oder Schüttelfrost sprechen für eine möglicherweise ernstere Infektion. Das gilt auch für Schmerzen im Rücken oder in der Flanke sowie Erbrechen. Schwangere sollten bei solchen Beschwerden noch am selben Tag medizinischen Rat einholen. Bei deutlicher Verschlechterung oder einem lebensbedrohlichen Notfall sollte der Rettungsdienst verständigt werden.

Für die Auswahl eines Antibiotikums kann eine Urinprobe helfen. Eine Urinkultur weist Bakterien nach; ein Empfindlichkeitstest zeigt, welche Antibiotika gegen den Erreger wirken. So lässt sich die Behandlung gezielter auswählen. Die behandelnde Praxis oder Klinik entscheidet, welche Untersuchungen im konkreten Fall nötig sind.

Bei Bakterien im Urin ohne Beschwerden unterscheiden sich Leitlinien

Ein auffälliger Urinbefund bedeutet nicht automatisch, dass eine Schwangere Beschwerden hat. Von einer asymptomatischen Bakteriurie spricht man, wenn Bakterien im Urin nachgewiesen werden, ohne dass typische Symptome eines Harnwegsinfekts auftreten.

Für diesen Befund unterscheiden sich die Empfehlungen nach Land. Die deutsche S3-Leitlinie der AWMF von 2024 rät bei einer Schwangerschaft ohne besondere Risikofaktoren davon ab, eine asymptomatische Bakteriurie zu behandeln. Bei bestimmten Risikofaktoren kann eine Abklärung und Behandlung sinnvoll sein. Die US-amerikanische Fachgesellschaft ACOG empfiehlt dagegen eine frühe Untersuchung und die Behandlung bestätigter Fälle. Diese US-Empfehlung lässt sich daher nicht einfach als allgemeiner deutscher Standard übernehmen.

Ein beschwerdefreier Befund und ein Harnwegsinfekt mit Beschwerden sind unterschiedliche Situationen. Schwangere sollten ein Ergebnis mit ihrer behandelnden Praxis besprechen, statt selbst über eine Behandlung oder deren Verzicht zu entscheiden.

Was bei einem Rezept oder einer bereits erfolgten Einnahme hilft

Wenn eine Ärztin oder ein Arzt ein Antibiotikum verordnet, sollte die Schwangere die Schwangerschaftswoche, bekannte Allergien und andere eingenommene Medikamente angeben. Nach einer Urinkultur kann sie fragen, welche Bakterien gefunden wurden und warum dieses Antibiotikum ausgewählt wurde. Bei Unsicherheit darüber, ob ein Wirkstoff in der Schwangerschaft geeignet ist, bietet Embryotox Informationen zu einzelnen Wirkstoffen und Erkrankungen.

Wer ein Antibiotikum bereits eingenommen hat, sollte nicht in Panik geraten. Eine einzelne Einnahme bedeutet nicht automatisch, dass ein Schaden entstanden ist. Am besten notiert die Schwangere den Wirkstoff und den Einnahmezeitraum. Auch die Schwangerschaftswoche sollte sie festhalten und die Einnahme mit der behandelnden Praxis oder einer Beratungsstelle wie Embryotox besprechen. Das gilt besonders, wenn sie das Mittel ohne Rücksprache begonnen oder versehentlich länger eingenommen hat.

Bei Schwellungen im Gesicht oder im Hals, Atemnot oder einem Kreislaufzusammenbruch nach der Einnahme ist sofort medizinische Hilfe nötig. Bei einem akuten Notfall sollte der Rettungsdienst gerufen werden.