Schwangerschaftsvorsorge

Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft

Während einer Schwangerschaft ist Vorsorge Pflicht. Nachdem der Frauenarzt die Schwangerschaft bestätigt hat, bekommt jede Schwangere einen Mutterpass, in den die Untersuchungsergebnisse jeweils eingetragen werden. Dieses wichtige Dokument ist während der Schwangerschaft im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge bei jedem Arzttermin mitzubringen.

Schwangerschaft

Gleich zu Beginn der Schwangerschaftsvorsorge wird untersucht, welche Blutgruppe die künftige Mutter hat. Von zentraler Bedeutung ist die Ermittlung des so genannten Rhesusfaktors. Ist eine Schwangere Rhesus-Negativ, das Kind aber Rhesus-Positiv, so bilden die Blutzellen der Mutter Antikörper gegen den Rhesus-Positiv-Faktor: Das Kind wird - zwar nicht in der ersten Schwangerschaft, aber während eventueller Folgeschwangerschaften - vom Körper als ein Fremdkörper definiert, den er abstoßen will. Damit dies verhindert wird und keine Antikörper gegen das Kind gebildet werden, führt der Arzt in diesem Fall eine so genannte Rhesus-Prophylaxe durch. Die werdende Mutter bekommt in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft eine Spritze und eine weitere nach der Geburt. So wird verhindert, dass es in eventuellen Folgeschwangerschaften zu Komplikationen wegen des Rhesus-Faktors kommt.

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Ebenfalls regelmäßig kontrolliert wird das Gewicht der werdenden Mutter.

Antikörper gegen Röteln und Toxoplasmose

In einer weiteren wichtigen Vorsorgeuntersuchung wird gecheckt, ob die Mutter Antikörper gegen Röteln hat. Dies ist der Fall, wenn die Mutter bereits selbst Röteln gehabt hat oder aber gegen Röteln geimpft wurde. Eine Immunität der Mutter gegen eine Rötelerkrankung ist sehr wichtig, da eine Rötelinfektion während der Schwangerschaft in hohem Maße gefährlich für das Kind wäre. Schwangere, die keine Antikörper gegen Röteln haben, müssen während der Schwangerschaft regelmäßig auf eine Rötelinfektion kontrolliert werden.

Eine andere wichtige Vorsorgeuntersuchung überprüft, ob die werdende Mutter Antikörper gegen Toxoplasmose im Blut hat. Toxoplasmose ist eine Erkrankung, die in der Regel durch Haustiere übertragen wird. Vor allem Katzen sind häufig Überträger der Krankheit. An Toxoplasmose können Menschen aber auch durch den Verzehr von ungewaschenem Salat oder rohem Fleisch erkranken. Hat eine Schwangere einmal Toxoplasmose gehabt, ist es unwahrscheinlich, dass sie noch einmal daran erkrankt. Fehlen einer Schwangeren Antikörper gegen Toxoplasmose, so muss sie bestimmte Verhaltensregeln beachten und zum Beispiel während der Schwangerschaft auf den Verzehr von rohem Fleisch wie etwa Rohschinken verzichten. Infiziert sich eine werdende Mutter während der Schwangerschaft mit Toxoplasmose, so muss sie mit Antibiotika behandelt werden.

HIV und diverse Geschlechtskrankheiten

Im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge wird auch untersucht, ob sich eine Schwangere mit dem HIV-Virus oder AIDS-Virus infiziert hat. Das Virus kann durch die Plazenta auf das ungeborene Kind übergehen, vor allem bei Wehentätigkeit. HIV-erkrankten Müttern werden deshalb Medikamente gegen vorzeitige Wehen verabreicht und das Kind muss per Kaiserschnitt auf die Welt geholt werden, bevor Wehen eine Geburt auslösen.

In Ihrem Mutterpass wird auch eingetragen, ob Sie Trägerin von Chlamydien-Bakterien sind. Dies wird mittels eines Abstriches am Gebärmutterhals festgestellt. Chlamydien stehen im Verdacht, Frühgeburten auszulösen. Zudem können sie beim ungeborenen Kind Lungenentzündungen und Schädigungen der Bindehaut hervorrufen. Sollte der Test auf Chlamydien positiv reagieren, so muss die Mutter mit Antibiotika behandelt werden.

Zur Routineuntersuchung bei der Schwangerschaftsvorsorge zählt auch die Suche im Blut der Mutter nach einer Hepatitis B Infektion. Fällt der Test positiv aus, so muss das Kind direkt nach der Geburt gegen Hepatitis B geimpft werden, um eine Infektion des Neugeborenen zu verhindern.

Zu Beginn einer Schwangerschaft wird auch getestet, ob die Mutter an der Geschlechtskrankheit Lues, besser bekannt als Syphillis, leidet. Die Krankheit ist in unseren Breiten zwar recht selten vertreten, doch sie kann während einer Schwangerschaft schwere Schäden bei Mutter und Kind anrichten. Deshalb ist die so genannte Lues-Such-Reaktion bei jeder Schwangeren obligatorisch.

Der Schwangerschaftsverlauf wird regelmäßig überprüft

Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen wird neben Antikörper-Tests in regelmäßigen Abständen der Schwangerschaftsverlauf überprüft und sie können auch offen über Ihre Schwangerschaftsbeschwerden sprechen.

Ob das Kind zeitgemäß wächst, wird beispielsweise durch regelmäßige Ultraschalluntersuchungen festgestellt. Auch der Blutdruck der Mutter muss im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen kontrolliert werden, ebenso wie der Hämoglobin-Wert. Ein niedriger Wert des Hämoglobins oder Blutfarbstoffs ist ein Indiz für Eisenmangel. Um den Hämoglobinwert wieder zu erhöhen, wird der werdenden Mutter dann ein Eisenpräparat verschrieben.

Auch der Urin der Schwangeren wird regelmäßig kontrolliert, um Krankheiten oder Störungen erkennen oder ausschließen zu können. Besonderes Augenmerk wird hier auf die Eiweißausscheidung, die Zuckerausscheidung und die Nitritkonzentration gelegt. Auch Blut im Urin kann Hinweise auf eine Störung geben, die vom Arzt unbedingt weiter abgeklärt werden sollte.

Ebenfalls regelmäßig kontrolliert wird das Gewicht der werdenden Mutter. Im Zeitraum der gesamten Schwangerschaft gilt eine Gewichtszunahme von 12 bis 16 Kilo als normal. Frauen, die mit Untergewicht in die Schwangerschaft gestartet sind, dürfen auch ein bisschen mehr zulegen. Eine starke Gewichtszunahme von mehr als 20 Kilogramm kann allerdings auch ein Hinweis auf Ödeme (Wassereinlagerungen) oder auf eine Diabetes der Mutter liefern.

Bei den Vorsorgeuntersuchungen wird auch wiederholt der Gebärmutterhals untersucht. Es wird überprüft, ob der Gebärmutterhals fest geschlossen ist, denn dies ist während der Schwangerschaft von zentraler Wichtigkeit, um Infektionen zu vermeiden. Ein Gebärmutterhals, der sich vor der Zeit der terminierten Geburt öffnet, kann ein Hinweis auf eine drohende Frühgeburt sein.

Jede Mutter kann weitere Untersuchungen vornehmen lassen, die aber nicht obligatorisch, sondern fakultativ sind und daher von der Krankenkasse auch nicht bezahlt werden. Dazu zählen beispielsweise die Nackenfaltenmessung oder die Fruchtwasserpunktion. Diese Untersuchungen werden durchgeführt, um zu erkennen, ob bei dem Embryo eventuelle Fehlbildungen vorliegen. Dabei ist allerdings gerade die Fruchtwasserpunktion zunehmend umstritten, da sie im Verdacht steht, Früh- und Fehlgeburten auszulösen.

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