Gewaltfreie Erziehung

Tabu: Elterliche Gewalt in der Erziehung

Die gewaltfreie Erziehung ist seit Anfang des Jahrhunderts im Bürgerlichen Gesetzbuch festgeschrieben. Klar formuliert der Paragraf 1631, was darunter zu verstehen ist: "Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig". Vielen Eltern fällt es immer noch schwer, diesem hohen Anspruch zu genügen. Die meisten sind selbst aufgewachsen mit repressiven Erziehungsmethoden, mit denen sie zum Gehorsam gezwungen werden sollten.

Doch die Forderung nach Gewaltfreiheit gegenüber dem eigenen Kind ist nicht nur ein moralisches Prinzip. Es ist auch eine unabdingbare Voraussetzung für seine Entwicklung zu einem selbstbewussten und aufrichtigen Menschen.

Kindererziehung

Schläge werden gerne relativiert. Wer kennt nicht die häufig geäußerte Meinung, dass ein paar Ohrfeigen noch niemandem geschadet haben? Doch diese Behauptung blendet häufig aus, wie entwürdigend und demütigend diese Strafen für denjenigen ist, der sie erleiden muss, ohne sich dagegen wehren zu können. Elterliche Gewalt, körperliche wie seelische, bleibt nie ohne Konsequenzen für die ganze Familie, denn vergessen wird sie nicht. Sie ist Gift für das Vertrauen zwischen Groß und Klein und schadet der emotionalen und sozialen Entwicklung des Kindes. Störungen wie Apathie, Bettnässen und Nervosität sind bekannte Folgen. Angst und Misstrauen lassen die Kinder lügen oder verstummen. Weitere Folgen können Schulschwänzen, eine allgemeine Verweigerungshaltung sowie zahlreiche andere Auffälligkeiten sein.

Gewaltfreie Erziehung
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Angst und Misstrauen lassen die Kinder lügen oder verstummen.

Erziehen ohne Gewalt kann jeder lernen

Für die heutige Elterngeneration ist gewaltfreie Erziehung ein anspruchsvoller Lernprozess, den sie gemeinsam mit ihren Kindern durchlaufen. Der Schlüssel zu einem friedlichen und respektvollen Miteinander ist die Erziehungsmethode der gewaltfreien Kommunikation. Sie hinterfragt jedes kindliche Fehlverhalten und jeden Gefühlsausbruch mit dem Ziel, seine Ursache zu ergründen und alternative Wege anzubieten. Statt offensiv zu agieren, um eine Veränderung zu erzwingen, heißt das: beobachten, nachfragen, zuhören. Einfach ist das nicht. Es erfordert eine ständige Zuwendung, viel Gelassenheit und feste Regeln für das familiäre Zusammenleben, wenn es gelingen soll. Doch Väter und Mütter werden dabei nicht allein gelassen. Gute Ratgeber, die sich theoretisch mit Strategien gegen Gewalt in der Erziehung auseinandersetzen, gibt es ebenso wie direkte Hilfen. Viele Familienberatungsstellen und Volkshochschulen bieten professionelle Kurse zur gewaltfreien Kommunikation an. Dort wird im Rollenspiel adäquates Verhalten eingeübt sowie dem Erfahrungsaustausch zwischen den Teilnehmern viel Platz eingeräumt.

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