Antiautoritäre Erziehung

Antiautoritärer Erziehungsstil

Die antiautoritäre Erziehung geht auf Pädagogen zurück, die Ende der 60er Jahre dieses neuartige pädagogische Konzept entwickelt haben. Das Ziel dieser Reformpädagogik war es im Wesentlichen, eine freie Entfaltung der Kinder zu fördern. Sie sollten ohne Zwang und Unterdrückung groß werden, damit sie zu selbstbewussten Persönlichkeiten heranreifen und verantwortungsvolle Erwachsene werden. Viele Anhänger der antiautoritären Erziehung erhofften sich auch, dass sich die Kreativität durch den Verzicht von Bestrafung besser entfalten kann. Die Regeln für das Zusammenleben sollten die Kinder aus eigenem Antriebe und weitgehend frei von Ermahnungen und Anleitungen durch Erwachsene erkennen und befolgen.

Dabei erwarteten die Anhänger der antiautoritären Erziehung, dass die Heranwachsenden überkommene Konventionen und gesellschaftliche Zwänge ignorieren, und freie Individuen werden.

Kindererziehung

Das pädagogische Konzept, auf der die antiautoritäre Erziehung basiert, geht von einem sehr positiven Menschenbild aus. Es setzt voraus, dass Kinder an sich gut sind und sich ohne Anleitung zu verantwortungsbewussten Individuen entwickeln. Rücksichtnahme auf andere, Nächstenliebe, Fleiß und Ordnungsliebe würden sich dieser Auffassung zufolge von selbst einstellen, wenn man die Kinder nur sich selbst überlässt. Wichtige Impulse für die Entwicklung liefern nicht die erwachsenen Erziehungsverantwortlichen, sondern vielmehr andere Kinder. Dementsprechend gründeten die Anhänger des antiautoritären Erziehungsstils Kinderläden, in denen anders als in gewöhnlichen Kindergärten nahezu grenzenlose Freiheit angesagt war. Die Kinder konnten dort im Wesentlichen tun und lassen, was sie wollten.

Antiautoritäre Erziehung
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Dennoch hat die antiautoritäre Erziehung auch positive Wirkungen gezeigt.

Die Konsequenzen der antiautoritären Erziehung

Anders als erhofft, zeigten sich schnell die negativen Folgen antiautoritärer Erziehung. Kinder, die auf diese unkonventionelle Weise erzogen wurden, waren orientierungslos, hatten Probleme, sich in Gruppen einzufügen und kamen in der Schule schlecht mit. Die antiautoritäre Erziehung betont einseitig das Lustprinzip, so dass es Kinder schwer fällt, etwas in Angriff zu nehmen, an dem sie momentan keine Freude haben. Diese Erziehung ist eine denkbar schlechte Vorbereitung auf den Schulalltag und das Berufsleben. Auch Reformschulen, an denen der antiautoritäre Erziehungsstil verfolgt wurde, funktionierten nur unzureichend. Die Schüler erreichten kaum höhere Bildungsabschlüsse und auch Mobbing untereinander war festzustellen.

Dennoch hat die antiautoritäre Erziehung auch positive Wirkungen gezeigt. Sie hat eine Diskussion über Erziehungsstile ausgelöst, in deren Verlauf es zur Hinterfragung der in den 60er Jahren noch weit verbreiteten körperlichen Züchtigung von Kinder kam. Dass heute selbst ein Klapps auf den Po oder eine Ohrfeige nicht mehr als geeignete Methoden der Erziehung gelten, ist auch der reformpädagogischen, antiautoritären Erziehung zu verdanken. Heute gilt es als allgemeiner Konsens, dass Kinder die gleiche unantastbare Würde wie Erwachsene haben. Gleichzeitig ist die überwiegende Mehrheit der Bürger der Auffassung, dass Heranwachsende durchaus Führung und Anleitung benötigen, um zu glücklichen Erwachsenen werden zu können.

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